Seit dem 19. Juni 2026 gilt eine neue Pflicht für Verträge, die online geschlossen werden: § 356a BGB verlangt eine elektronische Widerrufsfunktion (BGBl. 2026 I Nr. 28). Wer Verbrauchern über eine Online-Benutzeroberfläche - also über Website, Bestellformular, Buchungssystem oder App - Fernabsatzverträge mit gesetzlichem Widerrufsrecht ermöglicht, muss den Widerruf technisch genauso zugänglich machen wie den Abschluss. Das klingt zunächst nach einem Thema für große Versandhändler, betrifft aber ebenso Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die Aufträge oder kostenpflichtige Termine online abschließen lassen. Genauso wichtig ist die andere Richtung: Viele Betriebe in der Region Hildesheim sind gar nicht betroffen, weil über ihre Website kein Vertrag zustande kommt oder weil ihre Leistungen unter eine der gesetzlichen Ausnahmen fallen. Dieser Beitrag trennt beide Seiten sauber - was zu tun ist, was ausdrücklich nicht, und wie eine belastbare Umsetzung im Bestellprozess aussieht. Als Internetagentur aus der Region Hildesheim ordnen wir das sachlich ein, ohne Abmahnpanik.
Was seit dem 19. Juni 2026 gilt
Die Regelung hat einen europäischen Ursprung. Die Richtlinie (EU) 2023/2673 vom 22. November 2023 wurde am 28. November 2023 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht (EUR-Lex). Sie änderte die Verbraucherrechte-Richtlinie 2011/83/EU und fügte dort einen neuen Artikel 11a zur Widerrufsfunktion ein. Die Mitgliedstaaten mussten die Vorgaben bis zum 19. Dezember 2025 in nationales Recht überführen und wenden sie seit dem 19. Juni 2026 an (Richtlinie (EU) 2023/2673). In Deutschland geschah das durch das Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts, verkündet am 3. Februar 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 28). Der neue § 356a BGB trägt die amtliche Überschrift Elektronische Widerrufsfunktion bei Fernabsatzverträgen und ist seit dem 19. Juni 2026 anzuwenden (BGBl. 2026 I Nr. 28).
Was die Vorschrift verlangt, lässt sich in fünf Schritten zusammenfassen. Nach Absatz 1 muss bei Fernabsatzverträgen, die über eine Online-Benutzeroberfläche geschlossen werden, eine Widerrufsfunktion bereitstehen, die mit Vertrag widerrufen oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung gut lesbar beschriftet, während der Widerrufsfrist ständig verfügbar, hervorgehoben und leicht zugänglich ist (§ 356a BGB). Absatz 2 beschreibt, welche Angaben der Verbraucher übermitteln können muss: seinen Namen, Angaben zur Identifizierung des Vertrags oder des Vertragsteils, auf den sich der Widerruf bezieht, sowie ein elektronisches Kommunikationsmittel für die Eingangsbestätigung. Absatz 3 verlangt eine zweite Schaltfläche mit der Beschriftung Widerruf bestätigen oder einer gleichbedeutenden Formulierung, mit der die Erklärung abgesendet wird. Nach Absatz 4 muss der Unternehmer unverzüglich eine Eingangsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger übermitteln, die den Inhalt der Erklärung sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs enthält. Absatz 5 stellt schließlich klar, dass eine rechtzeitig abgesendete Erklärung als fristgerecht zugegangen gilt (§ 356a BGB).
Eine Richtlinie zu Finanzdienstleistungen - mit Wirkung für alle Online-Verträge
Wen die Pflicht wirklich trifft
Drei Bedingungen müssen zusammenkommen, damit § 356a BGB greift. Erstens muss ein Vertrag über eine Online-Benutzeroberfläche zustande kommen - Website, Bestellformular, Buchungssystem oder App. Zweitens muss der Vertragspartner Verbraucher im Sinne von § 13 BGB sein. Drittens muss für diesen Vertrag überhaupt ein gesetzliches Widerrufsrecht bestehen. Fehlt eine dieser drei Bedingungen, entsteht keine Pflicht zur Widerrufsfunktion. Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Website, bevor irgendetwas gebaut wird. Wie groß die Grundgesamtheit ist, zeigt der Markt: 79 Prozent (Bitkom) der Internetnutzer in Deutschland kaufen regelmäßig online, und der Onlinehandel erreichte 2024 einen Umsatz von 88,8 Milliarden Euro (HDE).
Onlineshop mit Verbraucherkundschaft
Der klassische Fall: Waren werden über den Warenkorb bestellt, der Vertrag kommt online zustande, das Widerrufsrecht besteht. Hier gehört die Widerrufsfunktion zum Pflichtprogramm - unabhängig von der Größe des Sortiments.
Handwerksbetrieb mit Online-Auftrag
Wer über ein Formular verbindliche Aufträge annimmt, etwa für Wartung, Reinigung oder Montage, schließt einen Fernabsatzvertrag. Ob eine Ausnahme greift, hängt vom Leistungstyp ab; für Betriebe mit Webdesign für das Handwerk ist das der erste Prüfpunkt.
Kostenpflichtige Online-Terminbuchung
Wird über die Buchungsstrecke bereits ein entgeltlicher Vertrag geschlossen und nicht nur eine Anfrage übermittelt, gilt dasselbe. Bei termingebundenen Leistungen bestimmter Bereiche greift allerdings eine Ausnahme (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB).
Abonnements und Mitgliedschaften
Kurse, Pflegepakete oder digitale Dienste im Abo sind doppelt betroffen: Sie brauchen im Regelfall eine Widerrufsfunktion nach § 356a BGB und zusätzlich die Kündigungsschaltfläche nach § 312k BGB.
Nicht betroffen ist, wer über die Website ausschließlich Anfragen entgegennimmt. Ein Kontakt- oder Anfrageformular, das zu einem Angebot und später zu einem Vertragsschluss per Telefon, E-Mail oder vor Ort führt, ist kein über eine Online-Benutzeroberfläche geschlossener Fernabsatzvertrag. Ebenfalls außen vor bleiben Betriebe, die ausschließlich an gewerbliche Kunden liefern: Das Widerrufsrecht aus § 312g BGB steht Verbrauchern zu, nicht Unternehmen. Für viele Betriebe in Hildesheim, Sarstedt oder Bad Salzdetfurth endet die Prüfung bereits an dieser Stelle - und das ist ein legitimes Ergebnis, kein Versäumnis.
Die Kurzfassung für den Betrieb
Widerrufsbutton und Kündigungsbutton: zwei Paragrafen, zwei Aufgaben
Der Kündigungsbutton nach § 312k BGB wird regelmäßig mit dem Widerrufsbutton verwechselt, obwohl beide unterschiedliche Zwecke verfolgen. Die Kündigungsschaltfläche gibt es seit dem 1. Juli 2022; eingeführt wurde sie durch das Gesetz für faire Verbraucherverträge vom 10. August 2021 (BGBl. I S. 3433). Sie betrifft Dauerschuldverhältnisse und beendet einen laufenden Vertrag für die Zukunft. Der Widerrufsbutton betrifft dagegen die Anfangsphase eines Vertrags und führt zu seiner Rückabwicklung. Wer beide Pflichten hat, braucht beide Schaltflächen - die eine ersetzt die andere nicht.
| Merkmal | Widerrufsbutton (§ 356a BGB) | Kündigungsbutton (§ 312k BGB) |
|---|---|---|
| Gilt seit | 19. Juni 2026 | 1. Juli 2022 |
| Anwendungsfall | Fernabsatzvertrag mit Widerrufsrecht über eine Online-Benutzeroberfläche | Dauerschuldverhältnis im elektronischen Geschäftsverkehr |
| Erste Beschriftung | Vertrag widerrufen | Verträge hier kündigen |
| Zweite Beschriftung | Widerruf bestätigen | jetzt kündigen |
| Wirkung | Rückabwicklung des geschlossenen Vertrags | Beendigung des Vertrags für die Zukunft |
| Bestätigung | unverzüglich, mit Inhalt, Datum und Uhrzeit | sofort elektronisch in Textform |
| Folge bei Fehlen | wettbewerbsrechtliche Beanstandung möglich | Kündigung jederzeit ohne Frist (§ 312k Abs. 6 BGB) |
Ein zweiter Unterschied betrifft die Folgen. Fehlt die Kündigungsschaltfläche, kann der Verbraucher den Vertrag jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist beenden (§ 312k Abs. 6 BGB) - eine unmittelbare, spürbare Rechtsfolge. Für die fehlende Widerrufsfunktion sieht § 356a BGB keine vergleichbare Sanktion vor; praktisch relevant sind hier vor allem wettbewerbsrechtliche Beanstandungen. Sauber zu trennen ist beides von der Widerrufsbelehrung: Wer nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht informiert, muss damit rechnen, dass die Frist später endet. Sie erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage (§ 356 BGB) nach dem regulären Fristbeginn, während die reguläre Frist 14 Tage (§ 355 Abs. 2 BGB) beträgt und ohne Angabe von Gründen läuft.
Wann keine Widerrufsfunktion nötig ist
§ 312g Abs. 2 BGB zählt 13 Vertragstypen (§ 312g BGB) auf, bei denen das Widerrufsrecht nicht besteht, soweit die Parteien nichts anderes vereinbart haben. Besteht kein Widerrufsrecht, gibt es auch nichts zu widerrufen - und damit keine Pflicht aus § 356a BGB. Für lokale Betriebe sind vor allem diese Fälle relevant:
- Individuell gefertigte Waren: Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind (§ 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB) - der Klassiker im Möbel- und Metallbau sowie bei Maßanfertigungen.
- Schnell verderbliche Ware: Waren, die schnell verderben können oder deren Verfallsdatum schnell überschritten würde (§ 312g Abs. 2 Nr. 2 BGB) - relevant für Hofläden, Bäckereien und Feinkost.
- Versiegelte Hygieneartikel: versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde (§ 312g Abs. 2 Nr. 3 BGB).
- Termingebundene Leistungen: Beherbergung zu anderen Zwecken als Wohnzwecken, Beförderung von Waren, Kraftfahrzeugvermietung, Lieferung von Speisen und Getränken sowie weitere Dienstleistungen im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB).
- Dringende Reparatur auf ausdrückliche Aufforderung: Verträge, bei denen der Verbraucher den Unternehmer ausdrücklich aufgefordert hat, ihn für dringende Reparatur- oder Instandhaltungsarbeiten aufzusuchen (§ 312g Abs. 2 Nr. 11 BGB); für weitere, nicht ausdrücklich verlangte Leistungen gilt das nicht.
- Notariell beurkundete Verträge: Verträge, die notariell beurkundet wurden (§ 312g Abs. 2 Nr. 13 BGB).
Daneben gibt es den Fall, dass das Widerrufsrecht zwar besteht, aber vorzeitig erlischt. Bei entgeltlichen Dienstleistungsverträgen erlischt es mit der vollständigen Erbringung der Leistung, wenn der Verbraucher zuvor ausdrücklich zugestimmt hat, dass mit der Ausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist begonnen wird, und bestätigt hat, dass er sein Widerrufsrecht mit vollständiger Vertragserfüllung verliert (§ 356 BGB). Für Betriebe, die kurzfristig ausführen, ist das der praktisch wichtigere Hebel als jede Ausnahmeliste - er verlangt allerdings sauber formulierte Zustimmungstexte im Bestellprozess statt eines pauschalen Häkchens.
Die Ausnahme für Maßanfertigungen wird eng ausgelegt
Die technischen Anforderungen Schritt für Schritt
Wenn die Pflicht besteht, ist die Umsetzung überschaubar - sie hat aber mehr Bestandteile, als das Wort Button vermuten lässt. Sechs Bausteine gehören dazu, und alle sechs berühren die Gestaltung der Seite. Deshalb ist die Widerrufsfunktion kein reines Rechtsthema, sondern gehört in dieselbe Werkstatt wie Webdesign und Bedienbarkeit.
- Platzierung: Die Funktion gehört an eine Stelle, die während der gesamten Widerrufsfrist erreichbar ist - typischerweise im Kundenkonto, in der Bestellbestätigung und zusätzlich über einen festen Einstiegspunkt im Servicebereich oder Footer. Ein Link, den man erst über drei Ebenen findet, erfüllt das Merkmal leicht zugänglich kaum.
- Beschriftung: Vertrag widerrufen ist die im Gesetz genannte Formulierung; zulässig sind entsprechend eindeutige Alternativen (§ 356a BGB). Kreative Umschreibungen sind an dieser Stelle ein unnötiges Risiko.
- Eingabefelder: Der Verbraucher muss seinen Namen, Angaben zur Identifizierung des Vertrags und ein elektronisches Kommunikationsmittel für die Eingangsbestätigung übermitteln können (§ 356a BGB). Bezieht sich der Widerruf nur auf einen Teil des Vertrags, muss auch das abbildbar sein.
- Bestätigungsfunktion: Erst eine zweite Schaltfläche mit der Beschriftung Widerruf bestätigen sendet die Erklärung ab (§ 356a BGB). Diese Zwischenseite ist kein Hindernis, sondern der vom Gesetz vorgesehene Ablauf.
- Eingangsbestätigung: Unverzüglich nach Eingang geht eine Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger an den Verbraucher - mit dem Inhalt der Erklärung sowie Datum und Uhrzeit (§ 356a BGB). In der Praxis ist das eine automatisch erzeugte E-Mail, die zugleich als Nachweis dient.
- Protokollierung: Wer den Zeitpunkt des Eingangs später belegen möchte, braucht ein serverseitiges Protokoll mit Zeitstempel. Das steht nicht ausdrücklich im Wortlaut, folgt aber praktisch aus der Zugangsregel des Absatzes 5.
Weniger Felder, weniger Abbrüche
Untersuchungen des Baymard Institute zeigen, dass durchschnittliche Bestell- und Kontaktformulare rund 11 Formularfelder (Baymard Institute) umfassen, obwohl in vielen Fällen etwa die Hälfte genügen würde. Für die Widerrufsstrecke gilt dasselbe: Pflichtfelder auf das gesetzlich Verlangte begrenzen.
Auf dem Smartphone bedienbar
Rund 66 Prozent (HDE) der Online-Umsätze entstehen inzwischen über mobile Geräte. Bedienelemente sollten die Mindestgröße von 24 mal 24 (WCAG 2.2) CSS-Pixeln daher deutlich überschreiten und genügend Abstand zueinander haben.
Bestätigung, die ankommt
Die Eingangsbestätigung muss zugehen, nicht nur abgeschickt werden. Eine korrekt eingerichtete Absenderdomain mit den üblichen Prüfverfahren für E-Mail senkt das Risiko, dass die Nachricht im Spam-Ordner landet und der Nachweis fehlt.
Der stille Vorteil der Zugangsregel
Typische Umsetzungsfehler
Die Fehler, die in der Praxis auffallen, sind selten juristisch kompliziert. Sie entstehen dort, wo eine Pflicht nachträglich in eine gewachsene Bestellstrecke gedrückt wird, ohne den Ablauf einmal von vorn zu denken. Sechs Muster wiederholen sich.
Versteckter Einstieg
Die Funktion liegt hinter einem Login, das nur Bestandskunden haben, oder tief in den Vertragsbedingungen. Das Merkmal hervorgehoben und leicht zugänglich aus § 356a BGB verlangt das Gegenteil.
Eigenwillige Beschriftung
Formulierungen wie Bestellung stornieren oder Retoure anmelden beschreiben etwas anderes als den gesetzlichen Widerruf. Wer vom Gesetzeswortlaut abweicht, muss die Gleichbedeutung begründen können.
Zu weit gefasste Pflichtangaben
Kundennummer, Rechnungsnummer, Grund des Widerrufs und Bankverbindung als Pflichtfelder: Das Gesetz verlangt in Absatz 2 deutlich weniger, und eine Begründung des Widerrufs darf ohnehin nicht gefordert werden (§ 355 Abs. 1 BGB).
Fehlende Bestätigungsseite
Die Erklärung wird mit einem einzigen Klick abgeschickt. § 356a BGB sieht in Absatz 3 eine gesonderte Bestätigungsfunktion vor; der zweite, bewusste Schritt fehlt dann.
Späte oder unvollständige Bestätigung
Eine Bestätigung, die erst nach manueller Bearbeitung im Büro herausgeht, ist nicht unverzüglich. Fehlen Datum und Uhrzeit, fehlt zudem ein vom Gesetz ausdrücklich verlangter Inhalt.
Belehrung nicht nachgezogen
Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular bleiben unverändert, obwohl es nun einen zusätzlichen Weg gibt. Ein Hinweis auf die Funktion gehört in die Belehrung und in die Bestellbestätigung.
Wie groß das Abmahnrisiko ist, lässt sich nüchtern einordnen. Bei Verstößen gegen gesetzliche Informations- und Kennzeichnungspflichten im elektronischen Geschäftsverkehr können Mitbewerber nach § 13 Abs. 4 UWG keinen Ersatz ihrer Abmahnkosten verlangen, und eine Vertragsstrafe ist bei einer erstmaligen Abmahnung ausgeschlossen, wenn der Betrieb in der Regel weniger als 100 Mitarbeiter (§ 13a Abs. 2 UWG) beschäftigt. Ob die Widerrufsfunktion als Informations- und Kennzeichnungspflicht in diesem Sinne zählt oder als eigenständige Gestaltungspflicht daneben steht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Unabhängig davon bleiben Ansprüche von Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden möglich. Die realistische Erwartung lautet deshalb: kein Massenphänomen, aber ein vermeidbarer Konfliktpunkt.
Die Widerrufsfunktion ist kein zusätzliches Formular, sondern der Beleg dafür, dass eine Bestellstrecke zu Ende gedacht wurde.
Prüf-Checkliste für Betreiber
- Kommt über Website, Bestellformular, Buchungssystem oder App tatsächlich ein Vertrag zustande - oder wird nur eine Anfrage übermittelt?
- Sind die Vertragspartner Verbraucher, oder handelt es sich ausschließlich um Geschäfte mit Unternehmen?
- Besteht für die konkrete Leistung ein Widerrufsrecht, oder greift eine der Ausnahmen aus § 312g Abs. 2 BGB?
- Ist die Widerrufsfunktion während der gesamten Widerrufsfrist erreichbar - auch für Kundschaft ohne Kundenkonto?
- Trägt die erste Schaltfläche die Beschriftung Vertrag widerrufen oder eine entsprechend eindeutige Formulierung?
- Lassen sich Name, Vertragsidentifikation und Kontaktweg für die Bestätigung eingeben - und nichts darüber hinaus als Pflichtfeld?
- Existiert die gesonderte Bestätigungsfunktion mit der Beschriftung Widerruf bestätigen?
- Geht die Eingangsbestätigung automatisch, unverzüglich und mit Datum und Uhrzeit heraus?
- Wird der Eingang serverseitig protokolliert und so aufbewahrt, dass er später belegbar bleibt?
- Sind Widerrufsbelehrung, Bestellbestätigung und - falls vorhanden - die Kündigungsschaltfläche nach § 312k BGB aufeinander abgestimmt?
Diese Liste ersetzt keine Rechtsberatung, sortiert die Fragen aber in der Reihenfolge, in der sie sinnvoll beantwortet werden. Wer bereits bei den ersten drei Punkten zu einem Nein kommt, kann die restlichen sieben getrost überspringen. Wer dreimal Ja sagt, hat eine klare Aufgabenliste statt eines diffusen Unbehagens.
Was das für Bestell- und Buchungsstrecken bedeutet
Technisch ist die Umsetzung meist unspektakulär: ein zusätzlicher Ablauf im Bestellsystem, ein Formular mit drei Angaben, eine Bestätigungsseite und eine automatische E-Mail mit Zeitstempel. Aufwendig wird es dort, wo Bestellungen in verschiedenen Systemen liegen - im Shop, im Buchungskalender und in der Warenwirtschaft - und die Widerrufsfunktion alle drei erreichen muss. Deshalb beginnt unsere Arbeit an einem Onlineshop aus Hildesheim mit einer Bestandsaufnahme der bestehenden Bestell- und Buchungsstrecken, bevor eine Zeile Code entsteht. Wie ein Shop für regionale Händler grundsätzlich aufgebaut wird, beschreibt der Beitrag zu Onlineshops für lokale Händler; wer Abholung und Versand kombiniert, findet die Abläufe im Text zu Click and Collect für lokale Händler.
Bestandsaufnahme
Wir prüfen, an welchen Stellen tatsächlich Verträge zustande kommen, welche davon Verbraucherverträge sind und für welche ein Widerrufsrecht besteht. Ergebnis ist eine Zuordnung pro Leistung statt einer pauschalen Vermutung.
Einbau und Bestätigungslogik
Widerrufsfunktion, Bestätigungsseite, automatische Eingangsbestätigung mit Datum und Uhrzeit sowie die Protokollierung werden in die vorhandene Bestellstrecke eingebaut - abgestimmt auf Kundenkonto, Bestellbestätigung und Belehrungstexte.
Laufend aktuell halten
Neue Leistungen, neue Buchungswege und weitere Rechtsentwicklung wirken auf die Einordnung zurück. Im Rahmen der Website-Wartung prüfen wir die Strecke in festen Abständen erneut.
Rechtliche Pflichten an der Website kommen selten allein. Wer Produktfotos einsetzt, sollte parallel klären, ob die Bildrechte für Website-Fotos sauber geregelt sind; wer über Serverstandort und Verfügbarkeit nachdenkt, findet die Kriterien im Beitrag zur Webhosting-Auswahl für lokale Betriebe und in unserer Leistung zu Webhosting und Domains. Zum Pflichtprogramm gehören außerdem die Pflichtangaben im Impressum nach dem DDG und ein sauber konfiguriertes Cookie-Banner nach DSGVO. Wenn Termine online vergeben werden, lohnt zusätzlich der Blick auf die Online-Terminbuchung für lokale Betriebe - dort ist die Frage, ob bereits ein Vertrag zustande kommt, besonders oft unklar. Bereits 64 Prozent (Bitkom) haben schon mindestens einmal einen Termin online vereinbart. Für die Bestellstrecke selbst gilt: Ein zusätzlicher Pflichtschritt darf die Conversion-Optimierung nicht aushebeln - klare Abläufe zahlen im Gegenteil auf Vertrauen ein. Und weil im Schnitt rund 70 Prozent (Baymard) der Warenkörbe abgebrochen werden, ist jede Vereinfachung im Bestellprozess ohnehin bares Geld. Wenn Sie unsicher sind, ob § 356a BGB Ihren Betrieb betrifft, sprechen Sie uns an - die Einordnung ist meist in einem Gespräch erledigt.